POSITIVE BUSINESS IMPULS #11 – Führungskräfte entdecken sich neu (2).

TRAININGSCOACHING POSITIVE FÜHRUNG (Tag 2+3)

Der letzte Beitrag Positive Business Praxis handelte von Tag 1 eines dreitägigen stärkenbasieren Führungskräfte-Trainings & -Coachings bei einem mittelständischen Unternehmen. Nun geht es um Tag 2 und das anschließende Individual-Coaching. Gut gelaunt erscheinen alle siebzehn Führungskräfte zum zweiten Seminartag. Fast alle. Die Atmosphäre ist allgemein heiter, positiv und entspannt und es entsteht der Eindruck, dass der erste Seminartag bereits Gutes bewirken konnte. Doch wie wird sich dieses ‚Fast‘ auf den Verlauf des Tages auswirken?

In einem Blitzlicht zu Vortag und Thema äußern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie gut und wichtig sie es finden, dass ihnen dieses Seminar ermöglicht wurde. Danke an die Unternehmensleitung! Was sie zudem begeistert, ist auch der durchgehende positive Blickwinkel unserer gemeinsamen Arbeit, den sie in ihrem beruflichen Alltag erhalten wollen. War er ihnen im Rahmen von Fusion, steigenden Anforderungen und alltäglichem Hamsterrad doch verloren gegangen. Spürbar ist: sie wollen es ab jetzt wirklich besser machen!

Die Kunst Positiver Führung ist, stets den Blick auf das Gute zu erhalten.

Doch was sich über Jahre an kritischen Gedanken-, Gefühls- und Verhaltensmustern bei den Führungskräften etabliert hat und sich damit auch auf die Beschäftigten auswirkt, lässt sich nicht in jedem Moment einfach so abstreifen. Genau in einem solchen Moment meldet sich das ‚Fast‘. Eine Führungskraft sagt mit ernster Miene „Dieses ganze Positive ist mir grade viel zu viel. Bei echten Problemen hilft das doch gar nicht.“ Das sitzt. Stille im Seminarraum. 

Das Angebot, die Gruppe in sein aktuelles Problem einzuweihen, nimmt er gerne an. Der Vertriebsleiter berichtet, dass er am Morgen noch bester Dinge war. Doch dann rief einer seiner wichtigsten A-Kunden an und beschwerte sich wortstark über die dilettantische Betreuung durch einen Vertriebsmitarbeiter. Der Knackpunkt: dieser Mitarbeiter war kurzfristig nur als Vertreter eingesprungen und hatte mal wieder „ganze Arbeit geleistet“. Leider im unerfreulichen Sinne. Der Vertriebsleiter konnte den Kunden glücklicherweise beruhigen.

Doch sein Gedanke „Der schon wieder!“ und der damit verbundene Groll will nicht enden. Emotional am Anschlag sagt er abschließend „Wenn ich ihn schon von weitem kommen sehe!“. Die Teilnehmer sind betroffen. Hier entlädt sich grade jede Menge Frust und Ärger, der auch über die aktuelle Situation hinauszugehen scheint. Von der zunächst heiter entspannten Stimmung im Plenum ist nicht mehr viel zu spüren. Absolute Stille. Für ein Seminar Positive Führung nicht gerade die beste Voraussetzung. Oder doch?

Die Veränderung beginnt in dem Moment, in dem wir fragen.

Nach und nach melden sich einige Kollegen zu Wort. Sie stellen dem Vertriebsleiter Fragen wie  beispielsweise „Gibt es auch etwas, was Du an diesem Mitarbeiter schätzt?“ und „In welchen Bereichen macht er seine Sache denn gut?“ oder „Welchen Rat würdest Du einem Kollegen geben, der gerade in Deiner Situation steckt?“ Wow! Genau diese Fragen waren Teil einer Übung am Vortag zum Thema Kognitive Umstrukturierung.

Der Gruppe gelingt es durch den Fokus auf das Positive und gezielte stärkenbasierte Fragen den Kollegen aufzufangen und wieder mitzunehmen. Der Vertriebsleiter fühlt sich besser. Er weiß nun, wie er das Thema angehen wird und dankt allen für ihre Unterstützung. In puncto Positive Business ist das Best Practice live.

Positive Führung folgt dem Grundsatz: Erkennen, was gut ist! Probleme, Herausforderungen, Defizite & Co. werden hierbei nicht ignoriert, sondern vielmehr über die Kenntnis dessen „was gut ist“ anders und meist besser gelöst als bisher. Positive Führung basiert somit auf den Erkenntnissen der Positiven Psychologie, deren klarer Fokus auf der bestmöglichen Entwicklung von Menschen und Organisationen liegt. 

Der weitere Seminartag verläuft sehr gut. Die Stimmung ist heiter, die Übungen werden als bereichernd erlebt. Eine neue Art von Verbundenheit unter den Führungskräften ist spürbar. Nach jeweils kurzen Theorie-Inputs in weitere Positive Führungstools und Interventionen üben die Führungskräfte in Einzelarbeit, Paar- und Gruppenarbeit beispielsweise positiv-konstruktive Kommunikation, die Appreciative Inquiry Technik  zur wertschätzenden Erkundung im Rahmen von Mitarbeiter- und Entwicklungsgesprächen, ein Positives Konfliktgespräch und einen stärkenbasierten Recruiting-Dialog. 

Als krönenden Abschluss des zweiten Seminartages machen wir die kollegiale Schatzkisten-Übung. Jede Führungskraft schenkt jedem der Kolleginnen und Kollegen ein schriftliches Statement „Was ich besonders an Dir schätze.“ Nicht jedem fällt diese Übung auf Anhieb leicht. Doch am Ende freuen sich alle über eine echte Win-Win-Situation: die einen, dass ihnen etwas Schätzenswertes eingefallen ist, die anderen, dass sie einen Strauß positiver Statements erhalten haben, mit dem sie niemals gerechnet hätten. Schöner kann ein Seminarabschluss nicht sein.

An Tag 3 stehen die abschließenden Einzelcoachings an. Die Führungskräfte haben die Gelegenheit, ihre individuellen Fragen und Anliegen zu formulieren. Es geht um das Übersetzen der eigenen Stärken in den beruflichen Alltag, das Erkennen und Nutzen der Mitarbeiterstärken und die Gestaltungsmöglichkeiten im Teamkontext. Jede Führungskraft hat ihren individuellen  Schwerpunkt.

Drei Tage Positive Führung sind geschafft. Die Führungskräfte fühlten sich gefordert und gefördert und bei den meisten wurde ihr Verständnis von Führung ganz schön auf den Kopf gestellt.  Auch ich habe wieder viel dazu gelernt und danke allen für ihr Vertrauen und Engagement. Das abschließende Statement meines Auftraggebers lautet: „Wir machen nächstes Jahr auf jeden Fall ein Follow-up.“. Das freut mich riesig.

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