FÜHRUNG? VORSICHT SEIFENBLASE!

Gerade erst wurden die Ergebnisse des „State of the Global Workplace“-Report veröffentlicht, für den Gallup von 2014 bis 2016 Menschen in insgesamt 155 Ländern befragt hat. Das Ergebnis: In punkto Mitarbeiterbindung liegt Deutschland im internationalen Vergleich wieder gerade mal im Mittelfeld. Genauer gesagt sind nur magere 15 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland emotional hoch an ihren Arbeitgeber gebunden und entsprechend motiviert bei der Arbeit. Das Ernüchternde daran: trotz vieler vermeintlicher Bemühungen seitens der Arbeitgeber in Deutschland hat sich das Ergebnis seit Jahren nicht wirklich verbessert. Zum Vergleich: Den Spitzenplatz unter den führenden Industrienationen belegen die USA mit einem Anteil von 33 Prozent emotional hoch gebundenen Beschäftigten.

Engagement in Grenzen

Woran liegt es also, dass die Menschen in Deutschland eine so geringe emotionale Bindung für ihre Brötchengeber empfinden und sich damit auch ihr Engagement in Grenzen hält? Die Erklärung der Gallup-Experten: in den allermeisten Fällen lässt sich das auf Schwächen in Unternehmenskultur und in Personalführung zurückführen. Und weiter: Gute Führungskräfte dagegen unterstützen ihr Team und konzentrieren sich vor allem auf die Stärken der Mitarbeiter, anstatt auf deren Schwächen. Genau hier zeigt sich ein mögliches Dilemma, denn noch immer praktizieren viele Chefs eine eher schwächen-fokussierte Führungskultur. Gleichzeitig ergab die ebenfalls ermittelte Selbsteinschätzung, dass 97 Prozent der Befragten überzeugt sind, selbst eine gute Führungskraft zu sein. Doch diese Einschätzung hat die Qualität einer Seifenblase.

Gut führen heißt Menschen lieben

Denn die Umfrage ergab auch, dass nur jeder fünfte Arbeitnehmer seinen Vorgesetzen tatsächlich als Motivator für hervorragende Arbeit erlebt. Seifenblase geplatzt. Nun geht es nicht darum, dass Mitarbeiter permanent motiviert, sprich bespaßt werden wollen. Vielmehr ist das Thema: Eine Führungskraft verfügt eben nicht automatisch auch über positive Führungskraft. Und so lange die Übernahme von Führungsverantwortung noch als Zugewinn von Macht und Status statt als Herzensanliegen verstanden wird, ist es nicht verwunderlich, dass die Zahlen stagnieren. Gute Führung beginnt im Recruiting, denn mit der Auswahl der Mitarbeiter werden auch die Weichen für den Teamerfolg gestellt. Und ob externer oder interner Auswahlprozess, wer Führungskräfte einstellt oder Mitarbeiter zur Führungskraft befördert, sollte mehr denn je auf die dazu passenden Persönlichkeitseigenschaften des Kandidaten achten.

Potenzial-Recruiting ist der Schlüssel

Sprich: eine gute Führungskraft hat – meist schon in der Kindheit erkennbar – hat eine natürliche Freude am Führen und Gestalten sowie eine hohe soziale Kompetenz, die sie auch zwischenmenschliche Konflikte positiv meistern lässt. Potenzialbasiertes Recruiting heißt: durch das gezielte Ermitteln individueller Charakterstärken, Interessen und Präferenzen heute schon entdecken, was morgen möglich ist. Entscheider brauchen – ob in der Auswahl von Führungskräften oder Mitarbeitern – einen klaren und bewussten Fokus auf das, was einen Menschen wirklich in seinem Wesen auszeichnet. Dies bestimmt seinen Einsatzort und ist ein elementarer Faktor für den Besetzungserfolg. Integrieren Arbeitgeber diese Haltung in ihre Unternehmens- und Führungskultur, erhöht sich auch die emotionale Mitarbeiterbindung. Und dann klappt’s auch mit dem Engagement, da bin ich sicher.

(Blogbeitrag Brigitte Herrmann – 10/2017 – Foto pixabay)

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