EWIG GRÜSST… DAS RECRUITING-MURMELTIER!

Wohin wird die Reise wirklich gehen? Etwas orientierungslos wie die beiden Murmeltiere auf dem Bild fühlen sich derzeit wohl viele Personaler. Durch das zunehmende Spannungsfeld von „Doppel-D“, sprich Recruiting wie zu Zeiten der Dampfmaschine und dem unaufhaltsamen Einzug der Digitalisierung, verharren sie zwischen Unsicherheit, Ahnungslosigkeit und Überforderung. Eines vorweg: Es tut sich viel im Recruiting und das ist prima! Landauf und landab hirnen HR-Insider und –Outsider, wie die Personalgewinnung der Zukunft aussehen wird, soll und muss, um für aktuelle Entwicklungen und künftige Herausforderungen gewappnet zu sein. Daraus resultieren enorm viele spannende Ansätze und Konzepte, analog wie digital.Ideen reichen vom Plädoyer für strukturiere Interviews bis zum Zukunftstrend Augmented Reality im Recruiting. Der Gap könnte größer kaum sein.

Viele Ideen und nun?

Am Ende bleibt dennoch die Frage, wer setzt diese Ideen wirklich um? In vielen Unternehmen tut sich was. Aber es gibt auch noch zuviel von den ‚anderen‘. Da sucht ein Geschäftsführer im Dienstleistungsbereich händeringend aber vergeblich Fachkräfte und ignoriert dabei, dass er in Sachen Employer Branding noch ein deutliches Entwicklungsfeld hat. Nebenbei lässt er erkennen, dass er für solche Themen aufgrund der aktuellen Geschäftsentwicklung einfach keine Zeit für dieses Thema hat. Da ist die Personalleiterin einer bundesweiten Behörde, die davon überzeugt ist, dass das Thema Digitalisierung nichts mit HR sondern nur mit IT zu tun hat. Und da sind Softwareunternehmen, die dringend IT-Spezialisten benötigen, aber nicht bereit sind, flexible Arbeitsformen wie beispielsweise Home-Office-Lösungen oder kollaborative Konzepte anzubieten. Dies nur drei aus einem Meer von Beispielen, die zeigen, dass zwischen Theorie und Praxis noch immer ein himmelweiter Unterschied besteht.

Am Anfang war der Wille

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ besagt eine alte Lebensweisheit. Und genau hier liegt der Knackpunkt für sämtliche Changeprozesse mit dem Fokus Arbeitswelt 4.0 und damit auch fürs Recruiting. Sehen Verantwortliche und Operative die darin liegenden Chancen oder ist es nicht bequemer, im Recruiting-Jammertal zu verharren? Oder schafft sich HR genau deshalb am Ende sogar noch selbst ab? Das Dilemma: Die teils fantastischen Ideen und Konzepte fallen nur dann auf einen fruchtbaren Boden, wenn es ein Unternehmen auch zulässt.  Und es bereit ist, bisherige Prozesse auf den Kopf zu stellen, die Perspektive der Interessenten einzunehmen, Veränderungen zu initiieren und auch die ein oder andere Disruption in Form von Versuch und Irrtum zuzulassen. Das setzt jedoch voraus, dass in der Personalabteilung die passenden Köpfe sitzen, die den Weitblick und die Begeisterung dafür haben und diesen Wandlungsprozess aktiv mitgestalten können und vor allem wollen.

Alleskönner Digitalisierung  

Für viele heißt das Zauberwort der Stunde Digitalisierung. Die wird nun alles richten, auch im Recruiting! Dieser Eindruck entsteht, wenn man derzeit die täglichen Medien-Berichte, aktuelle Messe- und Kongressthemen, die neuen Konzepte und Produkte verfolgt. Kein Wunder also, dass auf der diesjährigen Zukunft Personal in Köln mehr als 450 Softwareanbieter ausstellten. Kein anderer Anbieter-Bereich war so stark vertreten. Die ganze Welt spricht über (fast) nichts anderes mehr und dabei weiß im Grunde niemand, wohin die Reise speziell für HR, konkret und letztendlich wirklich geht. Die Digitalisierung bietet enorme Möglichkeiten und wir stehen damit erst am Anfang, vor allem unter dem Aspekt lernender Systeme. Wichtig ist deshalb Offenheit, ein Interesse und  Bewusstsein für Trends und Innovationen und die Chancen, die sich z.B. durch Big Data, Predictive Analytics und Künstliche Intelligenz (KI) in diesem Bereich eröffnen.

Und was ist mit Nebenwirkungen?

Doch alles hat auch eine zweite Seite. Werden automatisierte Vorauswahl-Verfahren der Standard?  Wird Künstliche Intelligenz die Matching-Systeme revolutionieren und hebeln ‚Bias-Checker‘ nun endlich die lästigen Vorurteile im Recruiting aus? Wird das Recruiting zukünftig durch Bots bestimmt? Werden  also zukünftig mehr und mehr Roboter die Personalgewinnung übernehmen und sind sie vielleicht die besseren Recruiter? In allen Fragestellungen muss auch  die Frage nach Nebenwirkungen gestellt werden. Digitalisierung muss und soll eine moralisch und ethisch bestehen. Fakt ist: Die neuen Tools sind Chancen,  können sie doch die Prozesse und die Arbeit der Personaler positiv unterstützen. Doch zuerst sollten die analogen Prozesse mal auf den Prüfstand. Hier gibt es noch immer viel Luft nach oben. Denn es ist sicher nicht der richtige Weg, bestehende fragwürdige Prozesse einfach nur zu digitalisieren. Denn sie bleiben auch durch die Digitalisierung leider einfach nur fragwürdige (digitale) Prozesse.

(Blogbeitrag. Brigitte Herrmann 09/2017 – Foto.pixabay.com)

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