POSITIVE RECRUITING TREND 2019 – #4 POSITIVE BUSINESS

Neues Jahr. Neues Recruiter-Glück! 

Wie aus Personalgewinnung ein POSITIVE BUSINESS wird.

Im Dezember letzten Jahres erschien das Xing New Work Trendbook mit interessanten Trends und Aspekten zur umfangreichen digitalen Transformation unserer Arbeitswelt. Mit dabei, wie sollte es anders sein, der Trend Robo-Recruiting. Demnach rechnen 19 Prozent der befragten Personaler sogar damit, dass in 15 Jahren alle wesentlichen Schritte im Recruiting bis hin zur finalen Entscheidung auf Basis künstlicher Intelligenz stattfinden. Bleiben wir also gespannt.

Fakt ist: auf allen Ebenen der Personalgewinnung gibt es richtig viel zu tun. Fakt ist auch: daraus resultieren gerade jetzt am Jahresanfang ein Meer an Recruiting-Empfehlungen und gigantische Aufgabenpakete, die es in HR zu bewältigen gilt. Ob Active Sourcing, Personalmarketing, Prozessdigitalisierung, Digitale Recruiting-Tools und ganz vorne natürlich auch KI in all ihren Facetten. Durch das Wecken all dieser Begehrlichkeiten – übrigens eine klassische Marketingstrategie, an der viele Dienstleister sehr gut verdienen – beginnt für Recruiter und Personalentscheider so langsam ein Leben zwischen Wunsch und Wahnsinn. Dem Wunsch, gern überall ganz vorne mit dabei zu sein, und dem Wahnsinn, wie und ob das überhaupt zu schaffen ist. Offen bleibt jedoch die Frage: Wer macht‘s?

Recruiter und Führungskräfte sind auch Menschen

Und als wäre das noch nicht genug, geht es auch der Recruiter-Rolle (in puncto Personalauswahl übrigens auch der Führungskräfte-Rolle) mächtig an den Kragen. „Raus aus der jahrzehntelang gemütlich eingerichteten Komfortzone“ ist das Motto. Recruiter und Personalentscheider sind künftig nicht mehr nur Menschenfreunde und Beziehungsmanager, sondern auch Active Sourcer, Social Networker, Digital Recruiter, Marketing- und Contentmanager, Storyteller, Creativworker, Markenbotschafter und brauchen last but not least auch noch ihren eigenen Brand um auf dem Arbeitnehmermarkt unverkennbar zu werden. Das macht wirklich Laune!

Doch die vielseitigen und in vielen Teilen richtigen und wichtigen Ansätze lassen bei all diesen Perspektiven einen ganz elementaren Faktor außer Acht. Denn es gilt nicht zu ermitteln, wer im heutigen Recruiting-Team eine der neuen Rollen einnehmen kann, sondern vor allem, welches Teammitglied eine bestimmte Rolle einnehmen will und damit auch seine eigenen Stärken einsetzen und Potenziale bestmöglich entfalten kann. Somit zählen nicht nur Kompetenzen, sondern das individuelle Wesen des Menschen – auch die des Recruiters – muss deutlich mehr in den Fokus rücken.

Lieben Sie Ihren Job?

Da ist zum Beispiel Susanne W., die seit ein paar Jahren im IT-Recruiting tätig ist. Auf meine Frage: „In welchen Momenten macht Ihnen Ihre Arbeit wirklich Spaß und bei welchen Tätigkeiten vergessen Sie Zeit und Raum?“, antwortet sie: „Ich liebe es, neue Ideen und Konzepte zu entwickeln und auch, kreative Texte und Stellenanzeigen zu formulieren.“ Und auch Daniel S., der ursprünglich mal ein Informatikstudium absolvierte, antwortet auf die gleiche Frage: „Ich bin eher der analytische Typ und kann unheimlich gut in Prozessen denken. Alles was mit IT-Innovationen zu tun hat, interessiert mich brennend.“

Und was ist die Realität? Beide führen bei ihrem jeweiligen Arbeitgeber Bewerberinterviews. Das macht ihnen einigermaßen Spaß, Erfolge können sie auch verzeichnen und beide arbeiten grundsätzlich gern im Personalbereich. Doch das Gefühl, dass die Rolle ihre Berufung ist, kommt bei beiden nicht auf. Und genau das macht den Job für Susanne und Daniel früher oder später sehr anstrengend. Übrigens auch für den Arbeitgeber, weil schlichtweg die erhoffte Performance nicht stimmt. Vor allem wenn auch im Recruiting Anforderungen, Druck und Komplexität immer weiter zunehmen. Die Folge: Leistungsmotivation und Produktivität sinken. Wie viel besser wäre es jedoch, wenn jeder von beiden mehr von dem tun könnte, was er persönlich am besten kann und am liebsten tut?

Positive… was?

Gerade in Zeiten, in denen große Transformationen unserer Arbeitswelt anstehen, in der sich Arbeitgeber zukunftsfähig aufstellen müssen und Arbeitnehmer eine neue Form der Selbstverantwortung übernehmen werden, sollte die Frage gestellt werden: „Was befähigt Menschen und damit auch Organisationen dazu, sich bestmöglich zu entfalten und zu entwickeln?“ Schließlich verlangt die Arbeitswelt der Zukunft im weitesten Sinne die von Carl Rogers beschriebenen ‚fully functioning persons‘. Hierbei geht es mal nicht um Digitalisierung, sondern ganz analog um etwas viel Wichtigeres: den Menschen und das klar fokussierte Erkennen und Realisieren seiner individuellen Stärken und Potenziale.

Das scheint zunächst nichts Neues zu sein, ist es doch im Grunde das ‚daily business‘ von Personalgewinnern und -entwicklern. Oder etwa doch? Nutzen Personaler wirklich eine strukturierte, zuverlässige und valide Methode, die zudem auf fundierten wissenschaftlichen Füßen steht, um klar fokussiert die natürlichen positiven Eigenschaften – die Charakterstärken eines Menschen – zu ermitteln? Obwohl es eine Vielzahl an Persönlichkeitstests unterschiedlicher Qualität gibt, ist genau das nach wie vor eher noch die Seltenheit. Doch es gibt einen vielversprechenden wissenschaftlichen Ansatz, der für Individuen wie auch für Organisationen enorme Chancen bietet.

Gemeint ist der wissenschaftliche Ansatz der Positiven Psychologie. Jetzt nicht gleich erschrecken! Denn um eines gleich vorwegzunehmen, hier geht es keinesfalls – wie oft falscherweise vermutet – um Positives Denken, Zwangsoptimismus, Esoterik, rosarote Brille, tschakka-tschakka oder – wie unlängst von einem Berliner Politologen unterstellt – sogar um einen (politisch) ideologisch ausgerichteten Ansatz. Das alles ist schlicht und einfach falsch!

Was die „PP“ wirklich ist!

Vielmehr ist die Positive Psychologie eine Ergänzung der klassischen wissenschaftlichen Psychologie, die statt der – auch im Recruiting oftmals praktizierten – defizitären Sicht auf die Dinge, den Blick insgesamt auf das richtet, was bereits gut ist und daher weiterentwickelt werden kann. Sie richtet ihren Fokus klar auf persönliche und institutionelle Stärken, ignoriert dabei jedoch in keiner Weise mögliche Schwächen oder Probleme. Vielmehr ermöglicht sie von ihrem klaren Blick auf das ‚was gut ist‘ eine neue Art von Perspektiven und Lösungen. Die Positive Psychologie ist im weitesten Sinne die Wissenschaft vom glücklichen Leben und Arbeiten und wurde maßgeblich von Martin Seligman weiterentwickelt. Im Mittelpunkt stehen das psychologische Wohlbefinden des Einzelnen und die daraus resultierende positive Entwicklung von Individuen, Organisationen und auch Gesellschaften. Untersucht werden nicht nur die positiven Persönlichkeitseigenschaften als Charakterstärken, sondern auch beispielsweise das positive Erleben und das Gestalten von Arbeitskontexten im Sinne der Mensch-Computer-Interaktion. Wenn das mal keine Zukunft hat!

Wer die Zukunft positiv gestalten will, beginnt jetzt!

Obwohl die Positive Psychologie eine recht junge Forschungsrichtung ist, etabliert sie sich bereits seit Jahren mehr und mehr in der Unternehmenswelt, beispielsweise im Kontext von Positive Leadership. Wie erfolgreich dieser Gesamtansatz ‚Positive Business‘ ist, zeigen bereits prominente Best Practice-Beispiele beispielsweise der Hotelbetreiber Upstalsboom und die Sparda Bank München.

Ein weiteres Konzept in diesem Bereich ist das ‚Positive Recruiting‘. Und genau darüber werden Sie in den kommenden Monaten mehr erfahren. Neben Beispielen aus der Positive Recruiting-Praxis erhalten Sie auch ganz praktische Tipps und Impulse für Ihr eigenes Recruiting-Business von A wie Anforderungsprofil über C wie Charakterstärken bis Z wie (Job-)Zufriedenheit.

Susanne und Daniel konnten übrigens nach einer Charakterstärken-Analyse und mittels Job Crafting ihre Jobzufriedenheit wie auch ihre Performance deutlich erhöhen. Susanne fand ihre Berufung im Personalmarketing und Daniel hat sich für das HR-Projekt ‚Prozessautomatisierung‘ stark gemacht. Beide sind nun mit viel mehr Begeisterung dabei und empfinden ihre Arbeit durch die verbesserte Passung deutlich weniger anstrengend. So kann Arbeit zum wahren Energizer werden.

Fazit

Die Erkenntnisse der Positiven Psychologie insgesamt und insbesondere in puncto Person-Job-Fit wie auch die wissenschaftlich fundierten Tools können eine wertvolle Bereicherung für Ihre HR-Arbeit, speziell auch im Recruiting sein. In den nächsten Ausgaben der POSITIVE RECRUITING TRENDS erwartet Sie deshalb eine ausführliche Einführung in das Thema Charakterstärken wie auch Einblicke in stärkenbasierte Tools für die Praxis. Bleiben Sie also gespannt!

Lust auf mehr? Buchempfehlungen: 

Positive Psychologie – Handbuch für die Praxis (Daniela Blickhan)

Positiv-Psychologische Forschung – State oft the Art (M. Brohm-Badry)

Hier finden Sie den Beitrag als PDF: Positive Recruiting Trend #4-POSITIVE BUSINESS

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